Kaffeesatzlesen

Das Kaffeesatzlesen stammt aus dem alten osmanischen Reich und ist eine traditionelle Technik des Orakels, die sich – wie der Name sagt – des Kaffesatzes, der sich gewöhnlich stets am Boden einer ausgetrunkenen Kaffeetasse bildet, bedient. Diese Praxis ist schon uralt und entstammt dem großen osmanischen Reich, das sich in seiner Blütezeit von Kleinasien bis zum Kaukasus, von der Krim bis nach Persien erstreckte. Durch diese vielfältigen kulturellen Einflüsse war das osmanische Reich viele Jahrhunderte lang kulturell führend und integrierte auch die unterschiedlichsten Techniken in den Alltag seiner Bewohner, wie zum Beispiel das Kaffeetrinken, das zum Volkssport wurde, und naheliegender Weise das Orakelsehen.
Oft wird zum Kaffeesatzlesen so genannter türkischer Mokka verwendet, der nach einer traditionellen Rezeptur in ungesüßter Form in Kupfergefäßen zubereitet und aus kleinen Mokka-Tässchen getrunken wird. Nach dem Trinken wird die Tasse umgedreht und auf den Unterteller gestellt – manche Orakeldeuter empfehlen, hierzu einige besondere Suren (Verse) aus dem Koran zu lesen, andere halten das nicht für notwendig für das Orakel. Dann wird die Tasse wieder umgedreht, wenn der Satz ausreichend getrocknet ist, und die im Satz erkennbaren Figuren oder Bilder werden einer Deutung unterzogen, die angeblich die nächste Zukunft besagen soll. Sterne und Dreiecke im Kaffeesatz bedeuten Glück, Kreuze Unglück, ein Brief eine Botschaft, ein Anker gute Geschäfte, ein Frauengesicht Eifersucht, ein Mann einen Liebhaber, ein Haus Sicherheit, und so weiter. Die Motive aus dem Kaffeesatz zu deuten kann spontan intuitiv geschehen oder auch nach einer Anleitung, wie es sie im Fachhandel für Esoterik und kulturelles Brauchtum zu erstehen gibt.
Viele Freunde des Kaffeesatzlesens sind heute davon überzeugt, dass diese Form des Orakels besonders präzise Ergebnisse erzielt und, anders als das Hellsehen und Wahrsagen aus Tarot- oder Skat-Karten, eine sehr individuelle Deutung der Zukunft ermögliche, da die im Handel erhältlichen Kartendecks ja standardisiert seien, der Kaffeesatz einer Person aber einzigartig sei in der Art, dass er nur einmal vorkäme und auch nicht reproduzierbar sei. Andere wiederum meinen, dass ein geschulter Wahrsager mit jeder erdenklichen Technik, ob Kaffeesatz oder Karten, die richtigen Ergebnisse deuten kann und dass es also nicht auf die Technik als solche ankäme, sondern auf die Fähigkeit des Orakeldeuters selbst. Wie auch immer – abwarten und Kaffee trinken, kann man da nur sagen…


Zurück

Portal-System by flexcom.de